Neues VMware-Lizenzmodell: So sichern Sie sich trotz Broadcom-Preiserhöhung Handlungsspielraum
Wer heute seinen VMware-Vertrag unverändert verlängert, zahlt 2027 mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich mehr als heute – nicht wegen neuer Funktionen, sondern wegen der Lizenzpolitik von Broadcom. Keine Perpetual-Lizenzen mehr, Core-basierte Abrechnung mit 16 Cores Mindestlizenzierung pro CPU, Strafgebühren von 20 Prozent bei verspäteter Verlängerung – und Rahmenbedingungen, die sich seit 2024 mehrfach geändert haben. Abwarten ist damit keine neutrale Entscheidung mehr, sondern kann zusätzliche Kosten und Abhängigkeiten verursachen. Wir rechnen vor, was das Zögern kostet, und zeigen, womit Unternehmen jetzt Handlungsspielraum zurückgewinnen.
Wie stark steigen die VMware-Kosten wirklich?
Seit der Übernahme durch Broadcom gibt es keine neuen Perpetual-Lizenzen mehr, sondern abonnementbasierte Lizenzen mit Laufzeiten von einem, drei oder fünf Jahren. Die Abrechnung erfolgt pro Prozessorkern mit einer Mindestlizenzierung von 16 Cores pro CPU. Aus einem Portfolio von über 160 Produkt-Bundles wurden vier Editionen. Was nach überfälliger Sortimentsbereinigung klingt, bedeutet in der Praxis: Viele Unternehmen lizenzieren heute Module, die sie nie angefordert haben. Wer das Komplettbundle VMware Cloud Foundation bezieht, zahlt rund 350 US-Dollar pro Core und Jahr – inklusive NSX und Aria, unabhängig davon, ob diese Komponenten überhaupt genutzt werden.
Branchenanalysen für den DACH-Raum beziffern die Mehrkosten bei unveränderter Fortführung auf durchschnittlich rund 60 Prozent über sieben Jahre gegenüber dem alten Kauf-plus-Wartung-Modell. In Einzelfällen wurden weit drastischere Sprünge dokumentiert: AT&T klagte in den USA über eine Preiserhöhung von über 1.000 Prozent. Besonders hart trifft es den Mittelstand am unteren Ende: Für das frühere vSphere Essentials Kit – laut Distributoren auf fünf Jahre gerechnet einst für 833 Euro zu haben – existiert schlicht kein Nachfolger. Betroffene müssen auf die deutlich teurere Standard-Edition ausweichen oder VMware verlassen. Das erschwert eine verlässliche Budget- und Architekturplanung.
Was kostet eine VMware-Verlängerung konkret? Eine Beispielrechnung
Kernaussage: Bereits eine kleinere VMware-Umgebung mit drei Hosts kann im neuen Lizenzmodell jährliche Lizenzkosten von rund 6.700 bis 7.700 Euro verursachen. Entscheidend ist nicht nur die Zahl der tatsächlich vorhandenen Prozessorkerne, sondern auch die Mindestlizenzierung von 16 Cores pro CPU.
Beispiel: VMware-Umgebung mit drei Hosts
- Ausgangssituation: 3 Hosts mit jeweils 2 CPUs
- Physische Kerne pro CPU: 10 Cores
- Tatsächlich vorhandene Kerne: 3 Hosts × 2 CPUs × 10 Cores = 60 Cores
- Mindestlizenzierung: 16 Cores pro CPU
- Lizenzpflichtige Kerne: 3 Hosts × 2 CPUs × 16 Cores = 96 Cores
Geschätzte Jahreskosten für VMware vSphere Standard
Bei einem angenommenen Preis von rund 70 bis 80 Euro pro Core und Jahr ergibt sich folgende Größenordnung:
96 Cores × 70 Euro = 6.720 Euro pro Jahr
96 Cores × 80 Euro = 7.680 Euro pro Jahr
Damit liegen die jährlichen Lizenzkosten in diesem Beispiel bei rund 6.700 bis 7.700 Euro. Enthalten ist dabei lediglich die Basisedition. Zusätzliche Funktionen wie vSAN, NSX oder erweiterte Automatisierung können weitere Kosten verursachen.
Was würde VMware Cloud Foundation kosten?
Wird für dieselbe Umgebung ein öffentlich genannter Richtwert von rund 350 US-Dollar pro Core und Jahr für VMware Cloud Foundation zugrunde gelegt, ergibt sich folgende Modellrechnung:
96 Cores × 350 US-Dollar = 33.600 US-Dollar pro Jahr
Der Unterschied zeigt, wie stark Edition, Funktionsumfang und Lizenzmodell die Gesamtkosten beeinflussen können.
Mögliche Zusatzkosten bei verspäteter Verlängerung
Laut Distributoreninformationen kann bei einer Verlängerung nach dem Vertragsjahrestag ein Aufschlag von 20 Prozent auf den Erstjahrespreis anfallen. Bei angenommenen Jahreskosten von 7.000 Euro entspräche das:
7.000 Euro × 20 Prozent = 1.400 Euro zusätzliche Kosten
Eine verspätete Bestellung kann die Gesamtkosten damit zusätzlich erhöhen und sollte bei der Budgetplanung berücksichtigt werden.
Hinweis: Die Berechnung dient der Orientierung. Tatsächliche Preise hängen unter anderem von Edition, Vertragslaufzeit, Partnerkonditionen, Verhandlungsergebnis und benötigten Zusatzfunktionen ab.
Warum wird Abwarten nicht belohnt?
Kernaussage: Die Verhandlungsposition von VMware-Kunden sinkt mit jedem Vertragsjahr – und die Spielregeln haben sich seit 2024 mehrfach geändert.
Broadcom konzentriert sich erklärtermaßen auf die größten Bestandskunden: Über 90 Prozent der Top-10.000 haben bereits auf VMware Cloud Foundation gewechselt – oft mit mehr Modulen, als sie benötigen. Für alle anderen kommt ein zweites Risiko hinzu: die Volatilität der Bedingungen selbst. Die 2025 eingeführte Mindestbestellmenge von 72 Cores pro Order wurde inzwischen wieder zurückgenommen. Was zunächst nach Entwarnung klingt, ist bei genauem Hinsehen das eigentliche Warnsignal – wer nicht einmal 18 Monate im Voraus weiß, zu welchen Konditionen er verlängern kann, kann weder Budget noch Architektur verlässlich planen.
Der Markt zieht daraus bereits Konsequenzen: Gartner erwartet, dass 70 Prozent der VMware-Enterprise-Kunden bis 2028 mindestens die Hälfte ihrer Workloads migrieren. Und in Europa hat der Cloud-Verband CISPE im März 2026 Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom bei der EU-Kommission eingereicht – die Abhängigkeit von den Lizenzentscheidungen eines einzelnen US-Anbieters ist damit längst auch eine Frage der digitalen Souveränität. Wer erst 2027 mit der Evaluierung beginnt, konkurriert dann mit dem gesamten Markt um Migrations-Know-how, Projektkapazität und Hardware-Lieferzeiten. Der beste Verhandlungshebel ist eine belastbare Alternative – und die entsteht nicht über Nacht.
Welche Alternativen zu VMware kommen für Unternehmen infrage?
Eine VMware-Alternative muss nicht zwangsläufig eine sofortige Komplettmigration bedeuten. Für viele Unternehmen ist ein schrittweiser Ansatz wirtschaftlich und technisch sinnvoller: Bestehende VMware-Workloads laufen zunächst weiter, während neue oder geeignete virtuelle Maschinen bereits auf einer alternativen Plattform bereitgestellt werden.
HPE VM Essentials verbindet dafür einen KVM-basierten HVM-Hypervisor mit einer gemeinsamen Verwaltung für HVM- und VMware-Umgebungen. Unternehmen können beide Plattformen parallel betreiben und Workloads nach technischer Eignung und eigenem Zeitplan migrieren. Funktionen wie Hochverfügbarkeit, Live-Migration innerhalb von HVM-Clustern und die Verwaltung von VMware-basierten VMs sind Bestandteil der Lösung.
Entscheidend bleibt eine individuelle Bewertung: Lizenzkosten allein reichen als Vergleich nicht aus. Auch Hardware, Storage, Backup, Netzwerk, Betriebsprozesse, Anwendungen, Ausfallzeiten und notwendiges Know-how müssen in die Gesamtbetrachtung einfließen.
Was bedeutet das für Ihre Virtualisierungsstrategie?
Kernaussage: Nicht panisch kündigen – aber rechnen. Wer die Kosten des Bleibens nicht kennt, kann weder verhandeln noch fundiert migrieren.
Die Konsequenz aus diesen Zahlen ist keine pauschale Absage an VMware. Für manche Workloads bleibt die Plattform die richtige Wahl – und wer bleibt, verhandelt mit einer sauberen Bestandsaufnahme deutlich besser. Aber die Entscheidung sollte auf Zahlen basieren, nicht auf Vertragsautomatismen. Eine strukturierte Analyse der VM-Landschaft zeigt, welche Workloads tatsächlich VMware benötigen, wo Konsolidierungspotenzial besteht und wie sich die Kosten einer Vertragsverlängerung mit möglichen Alternativen vergleichen lassen. Eine Option ist HPE VM Essentials, das VMware-Umgebungen ergänzen und eine schrittweise Migration auf den HPE-HVM-Hypervisor unterstützen kann.
Abhängig von der vorhandenen Infrastruktur kommen auch ein dauerhafter Mischbetrieb oder eine übergreifende Managementplattform wie HPE Morpheus Enterprise infrage. Die HPE-Virtualisierungslösungen von SCALTEL verbinden dafür Analyse, alternative Virtualisierung und Hybrid-Cloud-Management zu einem strukturierten Modernisierungspfad.
Genau diese Transparenz erarbeitet SCALTEL gemeinsam mit Unternehmen: herstellerübergreifend bewertet, mit einer belastbaren TCO-Rechnung als Entscheidungsgrundlage und auf Wunsch bis in den laufenden Betrieb begleitet. So wird aus der Broadcom-Deadline ein planbares Projekt statt einer erzwungenen Reaktion – egal ob am Ende Verhandeln, Migrieren oder ein Mischbetrieb die richtige Antwort ist.
Häufige Fragen zur VMware-Verlängerung
Nein. Aber Sie sollten die Kosten des Bleibens kennen, bevor Sie automatisch verlängern – inklusive Mindestlizenzierung, Bundle-Zwang und Strafgebühren.
Bestehende Perpetual-Lizenzen können grundsätzlich weiterhin für die lizenzierte Softwareversion genutzt werden. Broadcom verkauft für die aktuellen VMware-Angebote jedoch keine neuen Perpetual-Lizenzen mehr, sondern setzt auf abonnementbasierte Lizenzmodelle. Support, Updates und Upgrades hängen vom jeweiligen Vertrag beziehungsweise Abonnement ab.
Nein, sie wurde nach Marktkritik wieder zurückgenommen. Die Mindestlizenzierung von 16 Cores pro CPU bleibt jedoch bestehen – und die wiederholten Regeländerungen zeigen, wie schwer planbar die Konditionen sind.
12 bis 18 Monate vor Vertragsende. Danach schrumpft der Handlungsspielraum – sowohl bei der Verhandlung als auch bei einer möglichen Migration.
HPE VM Essentials kann eine Alternative oder Ergänzung zu bestehenden VMware-Umgebungen sein. Die Lösung kombiniert den HPE-HVM-Hypervisor mit einer gemeinsamen Verwaltung für HVM- und VMware-basierte virtuelle Maschinen. Dadurch können Unternehmen bestehende VMware-Workloads zunächst weiterbetreiben und geeignete Systeme schrittweise migrieren. Ob die Lösung zur vorhandenen Infrastruktur passt, sollte anhand von Anwendungen, Storage, Backup, Netzwerk und Betriebsanforderungen geprüft werden.